Produktfilter : Wenns statt Mountainbikes Newsletter und Rutschautos gibt

Für Online-Shops heisst die Prämisse: willst du Umsatz machen, stelle dich auf die Bedürfnisse deiner Kunden-Gruppen ein und bring es auf den Punkt. Beim Radlbauer scheint man einiges dafür zu tun, nix relevantes anzubieten. Hier ganz persönliche Gedanken &  Erlebnisse einer alltäglichen Online-Tour…

10.000 Euro Budget – und keiner will sie?

So wie ich zB, der gerade aktiv nach Mountainbikes mit Elektro-Antrieb, kurz: EMTBs sucht. Und die Orientierungs-Phase hab ich hinter mir. Ich bin mit gewissen Vorstellungen zu Marken & Komponenten unterwegs und habe ein Budget. Rund 10.000 Euro für zwei anständige, Trail-taugliche EMTB Fully’s bin ich bereit auszugeben. Jetzt will ich nur noch wissen, wer ein gutes und verfügbares Angebot macht und etwas Service bietet.

Irrelevantes auf der Startseite

Beim Aufruf der (mobilen) Startseite vom Radlbauer werde ich prominent im sichtbaren Bereich auf den Newsletter hingewiesen, darunter groß auf Fahrrad-Leasing und dann noch darauf, dass es den Radlbauer 21x in Deutschland gibt. Schön für euch – aber habt ihr mir auch Fahrräder anzubieten?

Website für die Marketing-Abteilung …

Vielleicht habt ihr ja zu wenige  Anmeldungen für den Newsletter. Und neue Services bietet ihr auch – durchaus verständlich, dass man das möglichst jedem Website-Besucher mitteilen mag.  So beschließt vlt das Marketing, alle unabhängig von ihrem Nutzungs-Kontext mit euren Belangen zu beglücken: Newsletter & Fahrrad-Leasing gehen jeden an – das muss also alles auf die Startseite!  Und dann zur Selbst-Beweihräucherung übergehen: Jeder Kunde muss sehen, wie groß wir sind. Hmm …  Ich hätt´s toll gefunden, exklusive Angebote oder kompetente Rad-Empfehlungen oben zu sehen, damit ich weiß, dass ich bei euch richtig bin. Ich seh das Angebot etwas naiv durch meine Kunden-Brille: tretet doch erstmal in Kontakt zu mir. Macht mir ein konkretes Angebot. Beratet mich gut und verkauft mir was. Ich will grad Geld ausgeben. Zeigt mir, dass ihr der richtige Partner seid. Mit einem guten Gefühl wäre ich später vlt auch bereit, mir Tipps zu Touren, Bike-Urlauben, Fahrtricks oder  Fahrradpflege und Zubehör zu abonnieren.

… und aus dem Baukasten

Na gut. Die Startseite ist so nix für mich. Also kurz orientiert „Wo finde ich Fahrräder?  Irgendwo haben sie sicher welche … Ah ja … da in der Navigation: „Startseite“ > „Fahrräder“…. klick….


„Hoppla. Was ist das denn? Hab ich was Falsches gewählt? Wieso kommen hier Kinder Rutschfahrzeuge? …“ Ich bin verwirrt und denke unweigerlich, ich hab was falsch gemacht (ja ihr lieben Konversion-Profis:  an dieser Stelle ganz blöde, negative Emotionen geweckt)


Hier muss ich mich ernsthaft neu orientieren. Ich suche Fahrräder und habe auch den gleichnamigen Menü-Eintrag gewählt. Was zur Hölle muss ich jetzt tun?

Erst Kategorien bitte, dann Filter, dann sortieren

Mir fällt die Sortierfunktion ins Auge. Und schon geht im Kopf das interpretieren los: „Muss ich vlt nach Fahrrädern extra sortieren? Irgendwie komisch.“ Sortieren kenne ich eigentlich bei Ergebnislisten, die man dann erst nach Name, Preis aufsteigend/absteigend etc ordnen lassen kann. …. Genau das macht das Ding auch.

Also weiter gucken. Da steht noch „Filter anwenden“ auf der pinkfarbenen Banderole. „Ob ich da wohl meine EMTBs finde?“ Filter kenne ich zumindest auch nur in der Art, dass man eine zu große Ergebnisliste einschränken kann, indem man nach bestimmten Kriterien filtert und so nur die Ergebnisse angezeigt bekommt, die den Filter-Kriterien entsprechen. Und diese so eingeschränkte Liste ließe sich dann wieder zur besseren Orientierung sortieren.



Da sind sie versteckt, die MTBs

Durch Auswahl der Filter komme ich überhaupt erst auf eine Ansicht, die mir jetzt als KATEGORIE Auswahl angezeigt wird. Hier habe ich langsam das Gefühl, aufs richtige Terrain zu kommen, auch wenn oben „Findologic“ prangt und hiermit deutlich wird: Es gibt offenbar kein konsistentes Navigations-Konzept für Shop-Besucher. Da flanscht man lieber eine Such-Applikation drauf und macht komisch benamte Filter-Ansichten auf den gesamten Datenbestand. Hat durchaus Vorteile für den Shop-Betreiber: Änderungen an Marken, Kategorien, Produkten sind jederzeit dynamisch möglich. Im Grunde kann man alle Produkte über einen zentralen Wareneingang digital erfassen und sämtliche Änderungen automatisiert online verteilen. Nur: an die Bedürfnisse der Kunden und der Art & Weise, wie sie navigieren und sich orientieren wird dabei womöglich als letztes gedacht.

Das führt dann wohl auch dazu, dass ich mich als Kauf-Interessent weiterhin mehr mit der merkwürdigen Funktionsweise der Seiten denn dem Angebots-Vergleich und Kauf von Fahrrädern widme: ich wähle als Haupt-Kategorie „Fahrräder“ (komisch, hatte ich das nicht schon gewählt gehabt?).

Dann muss ich eine Unterkategorie angeben:  „Mountainbikes“ … aha. Klingt langsam nach dem, wonach ich suche.

Klicken, klicken nochmals klicken

Jetzt denke aber nicht, das war es schon. Nein. Es wird mit jeder Auswahl der dynamische Filter auf den Datenbestand angestoßen. Also rödelts ein wenig im Hintergrund (wohlgemerkt, ich bin mobil unterwegs … das alles geht auf meine Zeit und mein Datenvolumen!) und eine neue Produktliste wird angezeigt. Bei Mountainbikes bin ich jetzt schon …. aber jedesmal muss ich wieder auf „Filter anwenden“ gehen und erneut eine „Unterkategorie“ zur Unterkategorie Mountainbikes angeben. Ich wähle die „Fullys“ und denke, jetzt hab ich’s aber …

Nicht deine Logic, lieber Kunde, unsere!

Noch immer weit gefehlt. Die Ergebnisliste schmeisst mir nur Fully MTBs ohne Elektro-Antrieb aus. Tja … was bin ich auch für ein blöder Kauf-Interessent. Ich muss doch wissen, dass irgend ein IT-Nerd EMTBs ganz woanders listet!  Also alle Filter wieder löschen … und wie ein vorgeführter Schüler darf ich die Filter erneut durchforsten. Und dann werde ich schließlich fündig: Es wäre „Fahrräder“ – „Elektrofahrrad“ und dann „E-MTB Fully“ gewesen.

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Auch wenn der Radlbauer sicher keine Radl selber baut. Was ich – trotz der ja schon vorhandenen Marken-Wahrnehmung – für einen Fachhandel schade finde, ist der recht lieblos wirkende, für Nutzer demotivierend und teils verwirrend umgesetzte Online-Shop. Ich vermisse die Kompetenz eines Fachhändlers mit der Leidenschaft fürs Rad. Ich vermisse Einfachheit, Emotionalität und irgendwie auch mal ein Statement. Nicht nur grelles gelb im Logo, sondern auch mal Produkte oder Produkt-Auswahlen, denen man anmerkt, wofür ihr steht – und was ihr als Blödsinn empfindet. Gerade Online-Kanäle können doch eure Philosophie und das Nutzer-Erlebnis weitertragen und -spinnen.

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