Team Retrospektive #02: positive Vibes kreieren

Nicht optimale Rahmenbedingungen können auch in der agilen Produkt-Entwicklung und im Rahmen eines Projektes zu nervigen, deprimierenden oder unproduktiven Zeiten führen. Das schlägt auf die Motivation der Teams durch. Ein Scrum Master kann nicht alles auffangen, aber die Retrospektive so gestalten, dass grundlegend über positive Dinge gesprochen wird. Das Format ist sehr einfach und sorgt am Ende immer für bessere Stimmung im Team. Und so geht die „Happy Retrospektive“ …

Happy Retrospektive

Ziel der „Happy Retrospektive“ ist es, die Stimmung im Team anzuheben und jedes Team-Mitglied einmal zu Wort kommen zu lassen, so dass am Ende alle mit besserer Laune und positiver(er) Einstellung aus der Retrospektive gehen. Nicht immer wird´s in Begeisterung enden …. bleiben wir realistisch: Wenn sich die Team-Happiness auf einer Skala von 1-5 vom gemittelten Ausgangswert zB von 2 auf 3 oder 3,5 erhöht, ist es bereits ein Fortschritt.

Geeignet für Teams in  Phase Forming/Storming/… /…

Vorbereitung/Arbeitsmaterial

  • nicht nötig
    Das ist das Schöne an der Happy Retro: Der Scrum Master muss nichts vorbereiten und braucht kein Material. Wenn die Stimmung im Team gedrückt ist, solltest du die Retro nach dem Vegas-Prinzip abhalten und das zu Beginn nochmal betonen: „What happens in Vegas, stays in Vegas“.

Durchführung Happy Retro

Jedes Teammitglied wird seinen Nachbarn folgende drei Fragen stellen, die dann vom angesprochenen beantwortet werden. Dieser stellt dann dieselben Fragen an seinen Nachbarn – und so weiter. Bis jeder einmal zu Wort gekommen ist. Ob es rechts- oder links-herum geht, überlässt du den Teilnehmern.

  1. Was hast du im letzten Sprint richtig gut gemacht? 
  2. Gibt´s etwas, das dich gerade richtig happy macht?
  3. Was hat dich gestern/diese Woche so richtig fröhlich gemacht?

Diese Fragen bringen einen dazu, positiv zu denken und positiv zu formulieren. Es geht also darum, nicht immer nur das miese und schlechte zu sehen. Sondern sich bei „all dem Mist“ der so geschehen kann auch an die guten Dinge zu erinnern. Systemisch betrachtet kann aus jedem Problem auch ein Vorteil oder eine Stärke/Ressource entstehen.

So hatte ich zum Beispiel mal ein Team-Mitglied, dass mit der Standard-Lab-Umgebung fürs entwickeln und testen kämpfte. Sie war für den etwas spezielleren Entwicklungs-Auftrag ungeeignet konfiguriert und führte zu Instabilität. Zusammen mit einem Tester haben die zwei sich aber zusammengesetzt und die Lab-Umgebung für Spezial-Fälle nochmal so aufgesetzt, dass es nicht nur flüssig lief. Sie haben ihre Schritte ebenso dokumentiert und allen anderen Entwicklern/Testern zur Verfügung gestellt, damit sie es beim nächsten Mal leichter haben. Aus einem frustrierenden Problem für einen einzelnen hat sich damit ein Vorteil für alle ergeben.

 

Das Wunderbare an dem Format ist, dass jeder quasi gezwungen wird, etwas positives zu formulieren und durch das aussprechen sich selbst ebenso zu bestätigen. Ein Beispiel …

Was hast du im letzten Sprint richtig gut gemacht?

Wir haben uns als Team etwas zuviel vorgenommen. Aber ich habe mir vier Backlog Items geschnappt und diese zusammen mit unserem Tester auch fertigstellen können. So gesehen bin ich mit meiner Leistung und meinem Beitrag für das Team doch sehr zufrieden.

Gibt´s etwas, das dich gerade richtig happy macht?

Ja. Ich habe meinen pubertierenden Sohn endlich vom Handy & der Konsole wegbekommen. Lange habe ich einiges erfolglos ausprobiert und nun gefunden, was ihn und mich gleichermaßen begeistert: Wir waren jetzt an drei Wochenenden mit unseren Longboards unterwegs. Das klappt prima, macht einen Heiden-Spaß und wir haben tolle Touren gemacht. Und am Abend hat er gar keine Lust mehr auf Konsole. Er schaut über seine App, wo und wie schnell wir gefahren sind und zeigt der Mama stolz seine Fotos von dem Tag. 

Was hat dich diese Woche so richtig fröhlich gemacht?

Antwort: Dass sich unser Product Owner endlich mal viel Zeit für uns genommen hat. Es war hilfreich, in die ersten Konzepte für das Folge-Projekt zu schauen und direkte Antworten auf unsere Fragen zu erhalten – ganz ohne E-Mail Ping-Pong. Und es war gut, ebenso zu besprechen, was wir aus technischer Sicht und an nicht funktionalen Anforderungen noch sehen und berücksichtigen müssen. Ich denke, das gab auch unserm Product Owner mehr Klarheit. 

 

Praxis-Tipp

Ich lasse es in den Retrospektiven immer zu, dass über privates wie über Arbeit gesprochen wird. Manch einer möchte das getrennt halten – was ebenso okay ist. Manch einer kommt aus sich heraus und möchte sich mitteilen. Ich finde es immer schön, wenn ein Team auch privates erfahren darf. Ganz gleich, ob es um Hobbies, Verpflichtungen, das Vereinsleben, private Wünsche und  manchmal auch Schicksale geht. Das private beeinflusst das berufliche – und umgekehrt. Haben da alle Team-Mitglieder etwas mehr Einblick, wird auch ein besseres Verständnis und Miteinander möglich sein.

 

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